Reelle Übung der Feuerwehr und dem DRK Steinenbronn
Geschrieben von: Steffen Schiettinger am 06. Dezember 2004
"Wie reell kann eine Übung sein ?"
Um diese Frage im Vorfeld zu klären: "Eine Übung ist nur so reell wie man sie gestaltet – bzw. sie ist niemals reeller als der Ernstfall."
Aber bei dem hier dargestellten Übungsbericht haben es das DRK und die Feuerwehr Steinenbronn geschafft, eine Übung auf die Beine zu stellen, welche der Realität ziemlich nahe kommt.
Bei dieser Übung wurde versucht, ein Autounfall so dar zu stellen, dass unter tatsächlichen Bedingungen gearbeitet wird. Zudem haben wir versucht das gemeinschaftliche Zusammenarbeiten am Auto, sowie am Patienten durchzuführen.
Schon bei der Vorbereitung dieser Übung haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, dass das Ganze so unauffällig wie nur möglich vorbereitet wird. Die Vorbereitung musste Camouflage aufgezogen werden, um eben eine gewisse Spannung bei den später eintreffenden Helfern zu erzeugen. Dies ist uns soweit auch gelungen, da nur der Requisiteur und Maskenbildner vom DRK, sowie die beiden Initiatoren über das ganze Bescheid wussten. Selbst die eingesetzten Komparsen wurden nur spärlich mit Informationen ausgestattet, um die Spannung aufrecht erhalten zu können.
Es galt bei der Übung die Annahme, dass ein PKW bei dem Versuch einen Transporter zu überholen, ein entgegenkommendes Fahrzeug zu einem unkontrollierten Ausweichmanöver zwingt, worauf dieses gegen eine Wand fährt. Der Unfallverursacher überschlägt sich worauf sein Fahrzeug jedoch Feuer fängt und ausbrennt. Der Fahrer des überholten Transporter verzieht das Lenkrad und fährt in einen Grünabschnitt am Straßenrand.
Da die in dem Kleinwagen eingesetzten Mimen über Kenntnisse der Darstellung von Verletzung verfügen (da einer aktiv und der andere mehrfach als Mime für das DRK tätig war) war es einfach für die Beiden ihre Rolle perfekt dar zu stellen. Sie spielten die ihnen zugewiesenen Verletzungen derart brilliant, dass an der Authentizität nichts verloren ging.
Die Verletzungsbilder der eingesetzten Komparsen sollten alle in einem authentischen Unfall auftretenden Verletzungen aufweisen. Wobei auch darauf Wert gelegt wurde, dass die Realität noch im Auge behalten wurde. Dem einen Verletzten wurde aufgetragen, eine Rippenverletzung, sowie Schmerzen in der Brust vorzutragen, während der andere über Schmerzen in seinem Bein und dem Kopf klagt und später in eine Ohnmacht fällt.
Abb.2. Die Mimen geschminkt und wartend in dem Unfallwagen
Der andere Verletzten aus dem Transporter sollen über diverse Schmerzen an der Hand klagen und das Ganze mit einem Schock und Verwirrung unterstreichen.
Der Fahrer aus dem Überschlagswagen wird mit schweren Brandverletzungen aus seinem Wagen geschnitten, da dieser, wie eingangs erwähnt in Flammen aufgeht.
Zu dieser Simulation ist es uns gelungen, eine Brand-Puppe zu organisieren, welche folglich ohne Schaden zu nehmen in dem brennenden Wagen sitzen bleiben kann.
Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren konnte es nun endlich losgehen.
Da sich die Übung zudem in der Dunkelheit abspielen sollte wurden die Helfer der Feuerwehr als auch vom DRK auf 19.30 Uhr geladen.
Nachdem die Leitstelle in Böblingen über das Vorhaben informiert wurde, konnte das Unternehmen gestartet werden.
Die von der Feuerwehr eingesetzten Gruppenführer sowie die vom DRK wurden über ein Handy alarmiert und bekamen auch jetzt nur die Nachricht, dass es sich um einen Verkehrsunfall (VU) handelt und mehrere Fahrzeuge und Personen darin verwickelt sind. So konnte also die Spannung durch die weitere Unkenntnis der Helfer hochgehalten werden.
Nach der Alarmierung wurde noch das Fahrzeug in Brand gesteckt, um dem Ganzen noch mehr Realität zu verleihen. Schon im Vorfeld klärten wir mit der Gemeinde den Einsatz von Schaummitteln ab, um auch hier eine größere Natürlichkeit des Ganzen zu erreichen.
Abb.3. Der in Flammen aufgehende Unfallwagen
Beim Eintreffen der Rettungskräfte trat natürlich das erhoffte "Anfangs - Chaos" ein.
Schnell wurde den Gruppenführern der beiden Rettungskräfte klar, dass bei drei Unfallfahrzeugen das mitgebrachte Personal sinnvoll eingesetzt werden muss, um nicht Gefahr zu laufen schnell einen Mangel an Bedienpersonal verzeichnen zu müssen.
Um dem ganzen eine weitere Hürde der Erschwernis aufzuerlegen haben wir gleich vier Beobachter eingesetzt, jeweils zwei des DRK sowie zwei der Feuerwehr. Diese hatten den Auftrag eventuelle Fehler zu notieren um sie bei der anschließenden Besprechung vor zu tragen.
Trotz der Anfangs auftretenden Hektik kam das ganze plötzlich und unerwartet in eine völlig erstaunliche Ruhe und Ordnung, so als ob diese Leute schon so oft diese Art von Einsatz durchgestanden hätten.
Abb.4. Kontrolle der Verunglückten durch Feuerwehr und DRK
Anscheinend wusste jeder ganz genau, welche schritte er zu unternehmen hat, um das ganze zu einem schnellen und gelungenen Ende mit Erfolg zu führen. Beide Seiten legten ein ungewöhnliches Bild der Vertrautheit im Umgang miteinander an das Tageslicht, obwohl weder die Position noch die auszuführende Arbeit im Vorfeld geregelt wurde.
Auch bei der Befreiung der eingeklemmten Personen in dem Kleinwagen lief alles, wenn auch etwas langsamer als erhofft schon fast generalstabsmäßig ab.
Es bleibt hier zu sagen, "Gott sei Dank" lief alles etwas langsamer ab als gewollt.
So hatten nämlich die Helfer auf beiden Seiten die große Chance alle notwendigen, sachdienlichen und handlungsrelevanten Techniken der Menschenrettung zu probieren.
Auch blieb zwischendurch die Zeit kurz den Fortgang der Personenrettung anzuhalten um denjenigen welche an vorderer Stelle waren nützliche Tipps in ihrem weiteren
vorgehen zu geben.
Trotz der soeben erwähnten gewollten Unterbrechungen lief das ganze in einer annehmbaren Zeit ab.
Selbst die Verletzten bestätigten, dass sie trotz des häufigen Personalwechsels, überrascht waren wie schnell und gezielt dennoch ihre Rettung ablief.
Auch das gegenseitige Unterstützen zwischen den einzelnen Arbeitsschritten der jeweiligen der Kräfte, wie z.B. das heben von Infusion lief einfach, problemlos und gekonnt ab.
Abb.5.Unterstützung des DRK beim anlegen der Infusion
Nachdem die beiden eingeklemmten Personen durch das DRK zur Evakuierung und Befreiung aus ihrem Unfallwagen vorbereitet wurden, begann nun für die Feuerwehr das herausnehmen und befreien durch den Einsatz technischer Rettungsgeräte wie z.B. Schere und Rettungszylinder.
Abb.6. Verletzter nach anlegen von Halskrause und Helm gegen Scherbenflug (unten)
Auch die Kräfte der Feuerwehr arbeiteten beim öffnen des Wagens nach dem Motto "jeder darf einmal" So wurden auch hier verschiedene Möglichkeiten vor Ort getestet und ausprobiert. Es ist nicht oft die Möglichkeit gegeben z.B. Autos anzuzünden oder unter Einsatz von Schaum zu üben. Daher wurde das Angebot des testen ausgiebig auf beiden Seiten der Einsatzkräfte ausprobiert.
Abb.7.Nochmals letzte Prüfung und Vorbereitung der Verletzten, bevor das Rettungsgerät zum Einsatz kam und die eigentliche Rettung begann
Diese ständige Austauschen der Einsatzpersonen am Fahrzeug führte auch dazu, dass die Rollen vertauscht wurden und z.B. die Kameraden vom DRK die Möglichkeit erhielten ebenfalls Erfahrungen im Umgang mit z.B. der Schere zu erhalten. Umgekehrt konnten die Kräfte der Feuerwehr von der Erfahrung der DRK – Kräfte beim anbringen von Verbandmaterialien profitieren.
Es war also für alle beteiligten was den Austausch von relevanten Techniken im Einsatzfall betrifft eine Lehrstunde par excellence.
Abb.8.Feuerwehrmann im Einsatz mit dem Glasmaster
Trotz der gelegentlichen Unterbrechungen, die wie schon erwähnt stattfanden war es möglich die beiden eingeklemmten Personen nach ca. 30. Min als befreit an die Einsatzleitung zu melden.
Etwas schneller ging die Befreiung des Dummies voran welcher in dem brennenden Wagen saß. Zur Kontrolle über das vorankommen an dieser Einsatzstelle wurden dem Dummie eine normale Kleidung angezogen um zu sehen ob der Dummie ein Opfer der Flammen wird oder nicht. Obwohl das Fahrzeug weit vor dem Eintreffen des LF 16 / 25 in Brand gesteckt wurde, konnte der Dummie ohne Verbrennungen aus dem Fahrzeug befreit werden. Der Dummie hatte zwar Rauchspuren jedoch keine angesengten Kleider auf dem Stahl-Laib zu tragen. Dies lässt nun die Aussage zu, dass die Rettung wohl in letzter Sekunde Stattgefunden haben muss.
Trotz Unterstützung durch Maschinist und Gruppenführer beim Aufbau des ersten Rohr hatte der Angriffstrupp schwer damit zu tun noch vor einer evtl. Ausweitung des Feuers Schaum aus diesem ersten Rohr zu bringen.
Es sei an dieser Stelle auch erwähnt das ein Schlauchtrupp nicht vorhanden war und wie gesagt der Maschinist und der Gruppenführer die Leitung vom Fahrzeug aus legten, damit sich der Angriffstrupp mit dem Atemschutzausrüsten konnte.
Weiter sollte hier gesagt sein das dies durchaus realistisch sein könnte, wenn man bedenkt das heutzutage oftmals Feuerwehren tagsüber mit einem akuten Personalmangel kämpfen.
Abb. 13 Nach dem Schaumangriff - Befreiung des Dummies mittels Rettungssatz (unten)
Da uns zu dem Transporterfahrer leider kein Bildmaterial vorliegt, beschränken wir uns auf einen kurzen Einsatzbericht.
Der unter Schock stehende und herumirrende Fahrer, wurde aus der Gefahrenzone gebracht und beruhigt.
Als kleine Zugabe wurde jedoch schon im Vorfeld ein Fass mit Gefahrstoffen gelagert.
Die herbeieilenden Helfer reagierten jedoch korrekt sie entnahmen den herumirrenden Verletzten aus der Gefahrenstelle und übergaben diesen dem DRK.
Danach wurde die Stelle weitgehend gesichert und abgeschirmt. Nach Rückfrage bei der Leitstelle über die Zusammensetzung des Stoffes konnte Entwarnung gegeben werden, da es sich nur um einen handelsüblichen Haushaltsreiniger handelte.
Alles in allem war diese Übung mehr als nur zufrieden stellend - sie war schon fast Mustergültig, zumindest in den Augen der Teilnehmer sowie den vier welche die Aufgabe hatten mit Argusaugen die Sache trefflich fein zu überwachen.
Fassen wir nochmals die wichtigsten Komponenten zusammen:
* Die Übung war zwar bekannt, jedoch nicht der Inhalt!
* Die jeweilige Aufgabe welche jeder zu übernehmen hatte wurde erst Vorort geklärt !
* Die Zusammenarbeit lief in allen Bereichen und Ebenen reibungslos !
* Der Informationsfluss zwischen den Abschnitten funktionierte einwandfrei !
Trotz der Unkenntnis über die Sachlage bei den eintreffenden Einsatzkräften bildeteten sich unverzüglich und problemlos eine Kette von Mensch, Information und Material welche zum gelingen dieser Übung beigetragen hat.
Ferner wurde wieder einmal das gute Zusammenspiel zwischen den Kräften des hiesigen
Ortsverein des DRK sowie der Feuerwehr in Steinenbronn unter Beweis gestellt.
Es lassen sich hier zum Schluss zwei Dinge anmerken,
dass trotz der Einsatzatmosphäre welche vorherrschte immer wieder Zeit blieb, der ganzen Sache auch ein Scherz oder Spaß abzuringen ohne den Ernst aus den Augen zu verlieren und es zeigte sich weiter ganz deutlich, dass gemeinsame Übungen nicht nur die Kameradschaft prägen, sondern auch, dass sich das einsatztaktische Zusammenspiel beider Rettungsorganisationen zu einem unschätzbaren Gewinn für die Bevölkerung stetig weiterentwickelt.
Dank allen die an dieser Übung teilnahmen und vor allem mit vorbereitet haben ! ! !
Ihre Freiwillige Feuerwehr Steinenbronn
Steffen Schiettinger
Zuletzt aktualisiert am 04. Dezember 2011
